EMR und ESD in Frankfurt: Frühtumoren endoskopisch entfernen – ohne Operation

Nicht jeder bösartige Befund im Verdauungstrakt muss operiert werden. Solange ein Tumor auf die oberste Schleimhautschicht begrenzt ist, lässt er sich häufig vollständig durch das Endoskop entfernen – das Organ bleibt erhalten. Zwei Verfahren stehen dafür zur Verfügung: die endoskopische Mukosaresektion (EMR), bei der die Veränderung nach Unterspritzung mit einer Schlinge abgetragen wird, und die endoskopische Submukosadissektion (ESD), bei der die Läsion mit einem feinen Messer unabhängig von ihrer Größe in einem Stück herausgelöst wird. Am CGB Frankfurt führt PD Dr. med. Mate Knabe diese Eingriffe durch – die ESD gehört zu seinen fachlichen Schwerpunkten.

Organerhaltend
keine Operation, kein Organverlust
> 90 %
En-bloc-Rate der ESD
15 vs. 50–75 Min.
typische Dauer EMR vs. ESD
Sedierung
schmerzfreie Durchführung

Was ist eine endoskopische Mukosaresektion (EMR)?

Die Wand von Speiseröhre, Magen und Darm ist mehrschichtig aufgebaut: innen die Schleimhaut (Mukosa), darunter eine lockere Verschiebeschicht (Submukosa), dann die Muskelschicht. Bei der EMR wird zunächst Flüssigkeit in die Submukosa gespritzt. Die Veränderung hebt sich dadurch wie ein Polster von der Muskelschicht ab und lässt sich anschließend mit einer elektrischen Schlinge sicher abtragen – ohne die Muskelschicht zu verletzen. Bei kleinen Befunden in der Speiseröhre wird das Gewebe auch mit einer Kappe angesaugt oder mit einem Gummiring abgebunden und dann abgetragen.

Die EMR ist schnell, sicher und für die überwiegende Mehrheit oberflächlicher Veränderungen das Verfahren der Wahl. Ihre Grenze liegt in der Größe: In einem Stück lassen sich damit Läsionen bis etwa 20 Millimeter entfernen, in der Speiseröhre eher bis 15 Millimeter. Größere Befunde müssen stückweise abgetragen werden – dabei geht die Beurteilbarkeit der seitlichen Schnittränder verloren und es bleiben häufiger mikroskopische Reste zurück.

Was ist eine endoskopische Submukosadissektion (ESD)?

Die ESD wurde entwickelt, um genau dieses Problem zu lösen. Statt die Veränderung abzuschneiden, wird sie regelrecht aus der Wand herauspräpariert. Der Ablauf in fünf Schritten:

SchrittWas geschieht
1. MarkierungDie Grenzen der Veränderung werden unter hochauflösender Sicht bestimmt und mit kleinen Punkten markiert
2. UnterspritzungEine – meist eingefärbte – Flüssigkeit hebt die Schleimhaut von der Muskelschicht ab
3. SchnittDie Schleimhaut wird mit einem elektrochirurgischen Messer rund um die Markierung eröffnet
4. DissektionDie Läsion wird Schicht für Schicht aus der Submukosa herausgelöst; Blutgefäße werden dabei gezielt verschlossen
5. BergungDas Präparat wird in einem Stück geborgen, aufgespannt und vollständig feingeweblich aufgearbeitet

Der entscheidende Vorteil ist die En-bloc-Resektion unabhängig von der Größe. Nur wenn das Präparat als Ganzes vorliegt, kann der Pathologe zuverlässig beurteilen, wie tief der Tumor reicht und ob er ringsherum im Gesunden entfernt wurde. Davon hängt die gesamte weitere Behandlung ab.

EMR oder ESD – was sagen die Studien?

Für Veränderungen im Barrett-Ösophagus liegen inzwischen direkte Vergleichsdaten vor. Sie zeigen ein differenziertes Bild: Bei der Qualität der Resektion ist die ESD klar überlegen, bei Rückfallrate und Sicherheit ist die Datenlage uneinheitlich.

EndpunktEMRESDDatengrundlage
Entfernung in einem Stück (en bloc)43 %89 %Westliche Multicenterstudie (Mejía Pérez et al. 2021); Metaanalyse aus 7–8 Studien: OR 31,5 (95 % KI 10,0–99,2; p<0,01) zugunsten der ESD (Fujiyoshi et al. 2024)
Entfernung im Gesunden (R0)16 %62,5 %Einzelzentrum (Löfdahl et al. 2024); Metaanalysen: OR 5,9 (95 % KI 2,8–12,8) bzw. RR 1,93 aus 22 Studien (Fujiyoshi et al. 2024; Abbas et al. 2025)
Kurative ResektionniedrigerhöherTrend OR 3,49 (p=0,08) (Fujiyoshi et al. 2024); RR 2,29 (Abbas et al. 2025)
Vollständige Beseitigung der Dysplasiekein belegter UnterschiedOR 0,92 (p=0,86) (Fujiyoshi et al. 2024); einzige randomisierte Studie: 16/17 vs. 15/16 Patienten (Terheggen et al. 2016)
Rückfall am selben Ort13–31 %2–3,5 %Retrospektive Studien (Mejía Pérez et al. 2021; Fujiyoshi et al. 2024). Aber: In der Metaanalyse nur ein Trend (OR 0,35; p=0,058); eine gepoolte Auswertung von 38 Studien fand keinen Unterschied (Khetpal et al. 2025), eine weitere Metaanalyse sogar mehr Rückfälle nach ESD speziell beim Barrett (RR 1,67; p<0,001) (Abbas et al. 2025)
Unklare seitliche Schnittränder im Präparat41,9 %5 %Podboy et al. 2020 – bei 13 von 31 EMR-Präparaten war keine abschließende Diagnose möglich
Blutung und Perforationüberwiegend vergleichbarKein signifikanter Unterschied (Fujiyoshi et al. 2024; Mejía Pérez et al. 2021); eine Metaanalyse fand jedoch ein höheres Perforationsrisiko unter ESD (RR 2,94; p=0,009) (Abbas et al. 2025)
Narbige Enge der Speiseröhre29 % nach stufenweiser kompletter EMR; 11,5 % bei fokaler EMR mit anschließender RFA9,5 %Khetpal et al. 2025
Eingriffsdauerca. 15 Minutenca. 50–75 MinutenESGE 2022/2024
Wie belastbar sind diese Zahlen? Nur eingeschränkt. Die Vergleiche beruhen auf wenigen Studien – die Metaanalysen stützen sich bei den wichtigsten Endpunkten auf sieben bis acht Arbeiten, die meisten davon rückblickend ausgewertet. Es existiert bislang eine einzige randomisierte Vergleichsstudie mit 33 Patientinnen und Patienten (Terheggen et al. 2016); sie fand nach 23 Monaten keinen klinischen Vorteil der ESD. Die amerikanische Fachgesellschaft AGA empfiehlt deshalb 2024 ausdrücklich entweder EMR oder ESD – die Auswahl richtet sich nach den Eigenschaften der Läsion (Rubenstein et al. 2024). Welches Verfahren im Einzelfall das richtige ist, entscheidet daher immer der behandelnde Arzt gemeinsam mit Ihnen – anhand von Größe, Form, Lage, Vernarbung und Verdacht auf Tiefenwachstum, nicht anhand einer Statistik.

Und im Dickdarm?

Hier ist die Datenlage ähnlich uneinheitlich. Eine Metaanalyse zu großen flachen Läsionen über 20 Millimetern fand nach ESD deutlich seltener Rückfälle (unter 1 % gegenüber rund 12 %), dafür mehr Perforationen (ca. 5 % gegenüber 1,5 %). In der Auswertung ausschließlich randomisierter Studien blieb der Vorteil bei der Rückfallrate bestehen, der Unterschied bei den Komplikationen verschwand. Wo eine stückweise EMR sinnvoll bleibt, senkt die zusätzliche thermische Verödung des Wundrandes die Rückfallrate von rund 21 auf etwa 5 Prozent – das ist heute eine starke Empfehlung der ESGE.

Für wen kommt der Eingriff infrage?

Grundvoraussetzung ist, dass der Tumor mit hoher Wahrscheinlichkeit auf die Schleimhaut begrenzt ist und keine Lymphknoten- oder Fernmetastasen vorliegen. Die europäische Fachgesellschaft ESGE empfiehlt im Einzelnen:

Speiseröhre

  • Barrett-Neoplasie: EMR bei sichtbaren Läsionen bis 20 Millimeter ohne Verdacht auf Tiefenwachstum; ESD bei Verdacht auf beginnendes Tiefenwachstum und bei Läsionen über 20 Millimeter. Nach der Entfernung wird das verbliebene Barrett-Epithel verödet (mehr zum Barrett-Ösophagus).
  • Plattenepithel-Frühkarzinom: Die ESD ist hier das Verfahren der Wahl für die meisten oberflächlichen Läsionen.

Magen

  • ESD bei gut differenzierten Frühkarzinomen und hochgradigen Dysplasien – bei nicht ulzerierten Läsionen unabhängig von der Größe, bei ulzerierten bis 30 Millimeter.
  • Auch ausgewählte schlecht differenzierte, auf die Schleimhaut begrenzte Karzinome bis 20 Millimeter können infrage kommen.

Dickdarm und Enddarm

  • Die EMR bleibt das Standardverfahren für die meisten flachen Läsionen.
  • ESD bei Verdacht auf begrenztes Tiefenwachstum, besonders bei Läsionen über 20 Millimeter – etwa bei nicht-granulären lateral wachsenden Tumoren oder granulären Läsionen mit größerem Knoten. Das Risiko für ein Tiefenwachstum reicht je nach Erscheinungsbild von 0,5 Prozent bis über 30 Prozent; die genaue Beurteilung mit hochauflösender Optik und virtueller Chromoendoskopie vor dem Eingriff ist deshalb entscheidend.
  • Kleine Polypen bis 9 Millimeter werden heute bevorzugt mit der kalten Schlinge entfernt – ohne Strom und mit sehr niedrigem Komplikationsrisiko (mehr zur Darmkrebsvorsorge).

Wann kein endoskopischer Eingriff

  • Nachweis oder begründeter Verdacht auf tiefes Wachstum in die Submukosa, fehlendes Abheben nach Unterspritzung, tiefe Einsenkung oder Geschwürbildung
  • fortgeschrittenes Tumorstadium, Lymphknoten- oder Fernmetastasen
  • Läsionen des Zwölffingerdarms sind für die ESD wegen der dünnen Wand und Perforationsraten von über 10 Prozent in der Regel ungeeignet – hier wird die EMR bevorzugt
  • nahezu ringförmig wachsende Plattenepithelkarzinome der Speiseröhre: Die Rate vollständig heilender Resektionen fällt hier unter 20 Prozent

Entscheidend: die feingewebliche Untersuchung danach

Erst das entfernte Präparat beantwortet die eigentliche Frage – ob die endoskopische Entfernung ausreicht oder ob eine Operation folgen muss. Maßgeblich ist das Risiko, dass bereits Lymphknoten befallen sind. Die ESGE unterscheidet drei Risikogruppen:

RisikogruppeMerkmale des PräparatsKonsequenz
Sehr niedriges Risiko (unter 1 %)In einem Stück und im Gesunden entfernt, auf die Schleimhaut begrenzt, gut bis mäßig differenziert, keine GefäßinvasionEndoskopische Entfernung ausreichend
Niedriges Risiko (unter 3 %)Oberflächliche Submukosainfiltration (unter 500 Mikrometer in Speiseröhre und Magen, unter 1 Millimeter im Dickdarm), gut bis mäßig differenziert, keine Gefäßinvasion, kein ausgeprägtes Tumor-BuddingMeist ausreichend – individuelle Abwägung im Tumorboard
Erhöhtes RisikoTieferes Wachstum, Einbruch in Lymph- oder Blutgefäße, schlechte Differenzierung, befallener Rand in der Tiefe oder ausgeprägtes Tumor-BuddingErgänzende Operation mit Lymphknotenentfernung wird empfohlen

Wie groß diese Unterschiede sind, zeigen die Zahlen: Bei einem auf die Schleimhaut begrenzten Speiseröhrenkarzinom liegt das Risiko für Lymphknotenmetastasen bei etwa 1 bis 2 Prozent, bei Barrett-Karzinomen mit oberflächlicher Submukosainfiltration bei 1,4 bis 1,9 Prozent. Reicht ein Magenkarzinom dagegen in die Submukosa, steigt es auf 25 bis 28 Prozent. Eine Sonderstellung nimmt der Fall ein, dass lediglich ein seitlicher Rand befallen ist oder stückweise reseziert wurde, ohne dass weitere Risikomerkmale vorliegen: Hier ist keine Operation erforderlich, sondern eine engmaschige endoskopische Kontrolle und gegebenenfalls Nachbehandlung.

Beim Barrett-Ösophagus unverzichtbar: die Radiofrequenzablation

Wird eine Neoplasie aus einem Barrett-Ösophagus entfernt, ist der Eingriff mit der Resektion noch nicht abgeschlossen. Das umgebende Barrett-Epithel bleibt bestehen – und mit ihm das Gewebe, aus dem die Veränderung entstanden ist. Ohne Behandlung dieses Restepithels treten an anderer Stelle regelmäßig erneut Neoplasien auf. Alle aktuellen Leitlinien empfehlen deshalb ein zweistufiges Vorgehen: erst die sichtbare Läsion resezieren, dann das verbliebene Barrett-Epithel vollständig veröden.

Standardverfahren dafür ist die Radiofrequenzablation (RFA). Über einen Ballon oder eine aufsetzbare Elektrode wird die veränderte Schleimhaut in genau kontrollierter Tiefe thermisch zerstört; darunter wächst normales Plattenepithel nach. In der Regel sind zwei bis drei Sitzungen im Abstand von etwa drei Monaten nötig.

Die Wirksamkeit dieser Kombination ist gut belegt: In der europäischen EURO-II-Studie war nach Resektion mit anschließender RFA die Neoplasie bei 98 Prozent und das Barrett-Epithel bei 93 Prozent der Behandelten vollständig beseitigt; Neoplasien traten bei 4 Prozent erneut auf. In der randomisierten SURF-Studie senkte die RFA bei bestätigter niedriggradiger Dysplasie das Fortschreiten zu hochgradiger Dysplasie oder Karzinom innerhalb von drei Jahren von 26,5 auf 1,5 Prozent. Auch bei der Häufigkeit narbiger Engen schneidet dieses Vorgehen günstig ab: 11,5 Prozent nach fokaler EMR mit RFA gegenüber 29 Prozent, wenn der gesamte Barrett stufenweise durch EMR entfernt wird (Khetpal et al. 2025).

Die Radiofrequenzablation gehört am CGB Frankfurt zum Behandlungsangebot – Resektion und Ablation erfolgen bei uns aus einer Hand, ohne dass Sie für den zweiten Schritt an eine andere Einrichtung überwiesen werden müssen.

Ablauf, Risiken und Nachsorge

SchrittWas Sie erwartet
VorbereitungAusführliches Aufklärungsgespräch, Nüchternheit, bei Eingriffen im Dickdarm zusätzlich Darmreinigung; blutverdünnende Medikamente werden vorab individuell angepasst
DurchführungIn Sedierung oder Narkose; EMR ca. 15 Minuten, ESD in der Regel 50–75 Minuten
AufenthaltKleinere EMR meist ambulant; ESD und große Resektionen üblicherweise stationär über unsere Belegabteilung
Nach dem EingriffStufenweiser Kostaufbau, bei Eingriffen im oberen Verdauungstrakt säurehemmende Medikamente
BefundbesprechungDas feingewebliche Ergebnis liegt nach einigen Tagen vor; bösartige Befunde werden im interdisziplinären Tumorboard besprochen
NachsorgeOberer Verdauungstrakt: Kontrolle nach 3–6 Monaten, danach jährlich (ESGE 2022). Dickdarm: nach 12 Monaten, nach stückweiser Abtragung bereits nach 6 Monaten (ESGE 2024). Für den Barrett-Ösophagus gelten eigene Intervalle – siehe unten

Kontrollintervalle nach Behandlung einer Barrett-Neoplasie

Nach vollständiger Beseitigung von Neoplasie und Barrett-Epithel richtet sich die Nachsorge nach dem Ausgangsbefund. Die Empfehlungen der Fachgesellschaften unterscheiden sich dabei erheblich:

AusgangsbefundESGE 2023ACG 2022AGA-Update 2019 / Cotton-Modell 2018
Hochgradige Dysplasie oder Frühkarzinomnach 1, 2, 3, 4, 5, 7 und 10 Jahren – danach kann die Überwachung beendet werdennach 3, 6 und 12 Monaten, danach jährlichnach 3, 6 und 12 Monaten, danach jährlich
Niedriggradige Dysplasienach 1, 3 und 5 Jahren – danach kann die Überwachung beendet werdennach 1 Jahr, danach alle 2 Jahrenach 1 und 3 Jahren
Warum die Angaben so weit auseinanderliegen: Diese Intervalle beruhen nicht auf randomisierten Studien, sondern auf Expertenkonsens und Rechenmodellen – die ACG- und AGA-Vorgaben etwa auf einer Modellierung aus dem US-amerikanischen RFA-Register mit 3.105 Patienten (Cotton et al. 2018). Neuere Kohortendaten sprechen dafür, dass weniger engmaschige Kontrollen ausreichen: In einer internationalen Studie mit 498 Patienten wurde mit Kontrollen nach 6, 12, 18 und 24 Monaten und danach jährlich kein Rückfall länger als sechs Monate übersehen – bei einem Drittel weniger Endoskopien (Kahn et al. 2022). Das Rückfallrisiko nach erfolgreicher Behandlung liegt bei etwa 1 bis 2 Prozent pro Jahr, und die meisten Rückfälle treten in den ersten zwei Jahren auf (Weusten et al. 2023; Verheij et al. 2022). Ihr persönliches Kontrollschema legen wir deshalb individuell fest.

Mögliche Komplikationen

  • Nachblutung: je nach Organ und Verfahren etwa 3 bis 10 Prozent. Im rechten Dickdarm senkt ein vorbeugender Clipverschluss der Wundfläche das Risiko deutlich.
  • Perforation: bei der Magen-ESD unter 3 Prozent, bei der Dickdarm-ESD etwa 5 Prozent, bei der EMR ein bis knapp drei Prozent. Über 80 Prozent dieser Ereignisse werden noch während der Untersuchung mit Clips verschlossen; nur rund ein Prozent aller Dickdarm-ESD erfordert eine Operation.
  • Narbige Enge der Speiseröhre: nach Barrett-ESD bei etwa 12 Prozent. Je größer der entfernte Anteil des Speiseröhrenumfangs, desto höher das Risiko – bei nahezu ringförmigen Resektionen trotz vorbeugender Kortisonbehandlung deutlich über 40 Prozent. Behandelt wird eine Enge durch endoskopische Aufdehnung, teils in mehreren Sitzungen.
  • Postkoagulationssyndrom: Bauchschmerzen, Fieber und Entzündungszeichen ohne nachweisbares Loch in der Wand; wird konservativ mit Nahrungspause, Antibiotika und Beobachtung behandelt.

Warum EMR und ESD am CGB Frankfurt?

Die ESD ist ein Verfahren, dessen Ergebnis unmittelbar von der Erfahrung des Untersuchers abhängt – das gilt für die En-bloc-Rate ebenso wie für die Komplikationsrate. PD Dr. med. Mate Knabe führt endoskopische Resektionen im gesamten Verdauungstrakt durch und gibt sein Vorgehen im Rahmen der Workshop Week Rhein/Ruhr an Kolleginnen und Kollegen weiter. Zur Vorbereitung steht die Endosonographie zur Verfügung, bösartige Befunde werden im interdisziplinären Tumorboard des Onkologischen Zentrums Bethanien gemeinsam von Gastroenterologie, Chirurgie und Onkologie besprochen. Zuweisende Kolleginnen und Kollegen erreichen uns über das Zuweiserportal.

PD Dr. med. Mate Knabe – Spezialist für interventionelle Endoskopie und ESD, CGB Frankfurt
Priv.-Doz. Dr. med. habil. Mate Knabe
Facharzt für Innere Medizin und Gastroenterologie

PD Dr. Knabe ist spezialisiert auf interventionelle Endoskopie, endoskopische Submukosadissektion (ESD), POEM und das Achalasie-Zentrum am CGB. Er ist Mitbegründer und wissenschaftliche Leitung der Workshop Week Rhein/Ruhr, dem größten praxisorientierten Gastroenterologie-Kongress Deutschlands. Zum Profil

Häufige Fragen zu EMR und ESD

Was ist der Unterschied zwischen EMR und ESD?
Bei der EMR wird die Veränderung nach Unterspritzung mit einer Schlinge abgetragen – schnell und sicher, aber bei größeren Befunden nur stückweise. Bei der ESD wird die Läsion mit einem feinen Messer aus der Schleimhaut herausgelöst und bleibt dabei unabhängig von ihrer Größe in einem Stück. Nur so kann der Pathologe alle Schnittränder sicher beurteilen. Der Preis dafür sind eine längere Eingriffsdauer und ein etwas höheres Komplikationsrisiko. Direkte Vergleichsstudien gibt es bislang nur wenige – welches Verfahren im Einzelfall geeignet ist, entscheidet deshalb der behandelnde Arzt nach Größe, Form, Lage und Vernarbung der Läsion.
Muss nach der Entfernung noch etwas behandelt werden?
Beim Barrett-Ösophagus ja. Nach der Entfernung der eigentlichen Veränderung bleibt das umgebende Barrett-Epithel zurück – aus ihm können erneut Neoplasien entstehen. Alle Leitlinien empfehlen deshalb, das Restepithel anschließend mit Radiofrequenzablation zu veröden, meist in zwei bis drei Sitzungen. Diese Behandlung bieten wir am CGB Frankfurt an, sodass Resektion und Ablation in einer Hand bleiben.
Für wen kommt eine ESD infrage?
Für Patientinnen und Patienten mit oberflächlichen Tumoren oder Krebsvorstufen, die auf die Schleimhaut begrenzt sind. Typische Situationen sind Frühkarzinome und hochgradige Dysplasien der Speiseröhre einschließlich Barrett-Neoplasien, Magenfrühkarzinome sowie große flache Polypen des Dickdarms ab etwa 20 Millimetern oder mit Verdacht auf beginnendes Tiefenwachstum. Reicht der Tumor bereits tiefer in die Darmwand oder liegen Lymphknotenmetastasen vor, ist eine Operation der richtige Weg.
Wie lange dauert der Eingriff?
Eine EMR dauert im Mittel etwa 15 Minuten. Eine ESD ist deutlich aufwendiger: In Studien lag die mittlere Dauer bei rund 50 bis 75 Minuten, bei sehr großen oder narbigen Befunden auch länger.
Ist der Eingriff schmerzhaft?
Nein. Die Eingriffe werden in Sedierung oder Narkose durchgeführt, sodass Sie davon nichts spüren. Nach einer ESD können für ein bis zwei Tage leichte Schmerzen im Bereich der Wundfläche auftreten, die sich gut behandeln lassen.
Muss ich stationär bleiben?
Eine EMR kleinerer Läsionen erfolgt in der Regel ambulant. Eine ESD und die Abtragung sehr großer Läsionen werden wegen des Nachblutungs- und Perforationsrisikos üblicherweise stationär durchgeführt, meist mit einem Aufenthalt von wenigen Tagen. Das genaue Vorgehen besprechen wir vorab individuell mit Ihnen.
Welche Komplikationen können auftreten?
Die wichtigsten sind Nachblutung und Perforation der Wand. Bei der Dickdarm-ESD liegt die Perforationsrate bei etwa 5 Prozent, bei der Magen-ESD unter 3 Prozent; Nachblutungen treten je nach Organ bei etwa 3 bis 10 Prozent auf. Die allermeisten dieser Ereignisse werden noch während der Endoskopie mit Clips verschlossen – nur rund ein Prozent aller Dickdarm-ESD führt zu einer Operation. Nach ausgedehnten Eingriffen in der Speiseröhre kann sich eine narbige Enge bilden, die sich endoskopisch aufdehnen lässt.
Was passiert, wenn die Gewebeuntersuchung ein höheres Risiko zeigt?
Erst das entfernte Präparat zeigt die tatsächliche Eindringtiefe und weitere Risikomerkmale. Findet der Pathologe Hinweise auf ein erhöhtes Risiko für Lymphknotenmetastasen – etwa tiefes Wachstum in die Submukosa, einen Einbruch in Lymph- oder Blutgefäße, eine schlechte Differenzierung oder einen befallenen Absetzungsrand in der Tiefe – wird eine ergänzende Operation empfohlen. Die endoskopische Resektion war dann trotzdem sinnvoll: Sie hat die Diagnose überhaupt erst ermöglicht.
Wie geht es nach dem Eingriff weiter?
Nach vollständiger Entfernung folgt eine Kontrollendoskopie: im oberen Verdauungstrakt nach 3 bis 6 Monaten und danach jährlich, im Dickdarm nach 12 Monaten – nach stückweiser Abtragung bereits nach etwa 6 Monaten. Für den Barrett-Ösophagus gelten eigene Schemata, die sich zwischen den Fachgesellschaften deutlich unterscheiden: Die ESGE empfiehlt nach hochgradiger Dysplasie oder Frühkarzinom Kontrollen nach 1, 2, 3, 4, 5, 7 und 10 Jahren, die amerikanischen Fachgesellschaften dagegen nach 3, 6 und 12 Monaten und danach jährlich. Diese Vorgaben beruhen auf Expertenkonsens und Rechenmodellen, nicht auf randomisierten Studien – Ihr persönliches Intervall legen wir deshalb individuell fest.
Quellen: Pimentel-Nunes P et al., Endoscopic submucosal dissection for superficial gastrointestinal lesions – ESGE Guideline Update 2022, Endoscopy 2022;54:591–622 · Ferlitsch M et al., Colorectal polypectomy and endoscopic mucosal resection – ESGE Guideline Update 2024, Endoscopy 2024 · Deprez PH et al., Endoscopic management of subepithelial lesions – ESGE Guideline, Endoscopy 2022;54:412–429 · Leitlinienprogramm Onkologie, S3-Leitlinie Ösophaguskarzinom, AWMF 021-023OL · Leitlinienprogramm Onkologie, S3-Leitlinie Magenkarzinom, AWMF 032-009OL, Version 3.1 (2025) · Leitlinienprogramm Onkologie, S3-Leitlinie Kolorektales Karzinom, AWMF 021-007OL, Version 3.0 (2025) · DGHO, Onkopedia-Leitlinie Ösophaguskarzinom und Magenkarzinom, 2025 · Weusten BLAM et al., ESGE Guideline Barrett esophagus, Endoscopy 2023;55:1124–1146 · Rubenstein JH et al., AGA Clinical Practice Guideline: Endoscopic Eradication Therapy of Barrett's Esophagus, Gastroenterology 2024;166:1020–1055

Vergleichsdaten EMR vs. ESD: Fujiyoshi Y et al., Systematic Review und Metaanalyse, Gastrointest Endosc 2024 · Abbas H et al., Systematic Review und Metaanalyse (22 Studien), Laparosc Endosc Robot Surg 2025 · Terheggen G et al., Randomisierte Studie ESD vs. EMR, Gut 2016;66:783–793 · Mejía Pérez LK et al., Retrospektive Multicenterstudie (West), Endoscopy 2021 · Löfdahl P et al., Langzeit-Verlaufsstudie, Medicina 2024;60:1074 · Khetpal N et al., Gepoolte Analyse von 38 Studien, Cureus 2025;17 · Podboy AJ et al., Pathologische Beurteilbarkeit, Dig Endosc 2020 · Munters K et al., Übersicht zur Verfahrenswahl, Dig Surg 2026;43:81–90

Nachsorgeintervalle: Cotton CC et al., Evidenzbasierte Intervalle nach RFA, Gastroenterology 2018;155:316–326 · Kahn A et al., Internationale Kohortenstudie zu optimierten Intervallen, Clin Gastroenterol Hepatol 2022;20:2763–2771 · Sharma P et al., AGA Clinical Practice Update, Gastroenterology 2019 · Verheij EPD et al., Follow-up nach erfolgreicher endoskopischer Therapie, Endosc Int Open 2022;10:E1331–E1332

Zuletzt fachlich geprüft: 2.8.26 · PD Dr. med. Mate Knabe