Leberkrebs (HCC): Diagnostik und Therapie in Frankfurt

Das hepatozelluläre Karzinom (HCC) ist der häufigste bösartige Tumor, der direkt aus Leberzellen entsteht. Die meisten Tumoren, die in der Leber gefunden werden, sind allerdings keine Leberkarzinome, sondern Metastasen anderer Krebserkrankungen – vor allem des Darms. Entsteht der Tumor tatsächlich in der Leber selbst, handelt es sich in den meisten Fällen um ein HCC, seltener um ein cholangiozelluläres Karzinom (CCC), das von den Gallengängen ausgeht. Das HCC entwickelt sich fast immer auf dem Boden einer vorgeschädigten Leber, meist einer Leberzirrhose. Genau daraus ergibt sich die wichtigste Konsequenz: Menschen mit Zirrhose sollten alle sechs Monate eine Ultraschalluntersuchung der Leber erhalten. Wird ein HCC früh entdeckt, stehen heilende Verfahren zur Verfügung. Am Centrum Gastroenterologie Bethanien in Frankfurt betreuen wir die Früherkennung strukturiert und stimmen jede Behandlung im interdisziplinären Tumorboard ab.

6 Monate
Vorsorge-Ultraschall bei bestehender Zirrhose
Prävention
Hepatitis-Impfung, HCV-Therapie und Gewichtsreduktion senken das Risiko
interdisziplinär
Tumorboard und multimodale Therapie bei jeder Entscheidung

Welche Tumoren treten in der Leber auf?

Die Leber ist eines der Organe, in denen sich Tochtergeschwülste anderer Tumoren am häufigsten ansiedeln. Wird bei einer Untersuchung ein Herd in der Leber gefunden, handelt es sich deshalb zunächst häufiger um eine Metastase als um einen Lebertumor im eigentlichen Sinne – am häufigsten ausgehend von einem Darmkrebs.

Entsteht der Tumor dagegen aus dem Lebergewebe selbst, unterscheidet man vor allem zwei Formen: das hepatozelluläre Karzinom (HCC) aus den Leberzellen und das cholangiozelluläre Karzinom (CCC) aus den Gallengängen. Beide werden unterschiedlich behandelt – deshalb steht am Anfang immer die genaue Einordnung.

Wen betrifft ein hepatozelluläres Karzinom?

Das HCC entsteht fast immer in einer bereits geschädigten Leber. Zu den wichtigsten Risikofaktoren zählen:

  • Leberzirrhose jeder Ursache – der mit Abstand wichtigste Faktor
  • chronische Hepatitis C und Hepatitis B
  • Fettlebererkrankung (MASLD/MASH), häufig bei Diabetes und Übergewicht – unsere Ernährungsberatung unterstützt gezielt bei der Risikoreduktion
  • langjähriger Alkoholkonsum
  • Hämochromatose und andere Stoffwechselerkrankungen der Leber
Wichtig: Auch nach ausgeheilter Hepatitis C bleibt das Risiko bestehen, wenn zuvor eine fortgeschrittene Fibrose oder Zirrhose vorlag. Die Früherkennung läuft dann weiter.

Warum ist die Vorsorge bei Leberzirrhose entscheidend?

Ein HCC verursacht im frühen Stadium keine Beschwerden. Es wird deshalb fast nie durch Symptome entdeckt, sondern durch eine geplante Untersuchung – oder gar nicht, bis es zu groß für eine heilende Behandlung ist.

Die S3-Leitlinie empfiehlt daher mit dem höchsten Empfehlungsgrad: Im Rahmen der HCC-Früherkennung soll alle sechs Monate eine Ultraschalluntersuchung der Leber durchgeführt werden. Ergänzend kann der Tumormarker AFP im Blut bestimmt werden.

Sechs Monate sind kein willkürlicher Wert: Das Intervall orientiert sich an der typischen Wachstumsgeschwindigkeit dieser Tumoren und soll sicherstellen, dass ein Herd noch in behandelbarer Größe auffällt.

Wie wird ein Leberkrebs festgestellt?

Zeigt der Ultraschall einen auffälligen Herd, folgt eine Schnittbildgebung mit Kontrastmittel. Beim HCC ist eine Besonderheit hilfreich: In der zirrhotischen Leber lässt sich die Diagnose häufig allein anhand des Kontrastmittelverhaltens stellen – eine Gewebeprobe ist dann nicht zwingend erforderlich.

UntersuchungWozu
UltraschallFrüherkennung alle 6 Monate; erste Auffälligkeit
Kontrastmittel-Ultraschall (CEUS)Beurteilung der Durchblutung eines Herdes
MRT mit KontrastmittelDiagnosesicherung und Ausbreitungsdiagnostik
LeberelastographieBestimmung des Fibrose- bzw. Zirrhosegrades
Gewebeprobe (Biopsie)bei unklarem Befund oder nicht-zirrhotischer Leber

Typisch für ein HCC ist eine starke Kontrastmittelaufnahme in der arteriellen Phase mit anschließendem Auswaschen in der portalvenösen und spätvenösen Phase – dieses Muster gilt in der zirrhotischen Leber gemäß S3-Leitlinie als beweisend.

Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es?

Die Therapie richtet sich nach drei Größen: der Tumorausdehnung, der verbliebenen Leberfunktion und dem Allgemeinzustand. Eine Leberzirrhose begrenzt oft, was möglich ist – deshalb ist die Behandlung des HCC immer auch eine Behandlung der Lebererkrankung.

  • Operative Entfernung – bei begrenztem Befund und ausreichender Leberfunktion
  • Lebertransplantation – heilt Tumor und Grunderkrankung zugleich, an Kriterien gebunden
  • Lokale Verfahren – Verödung (Ablation) oder Behandlung über die Leberarterie (TACE/TARE)
  • Medikamentöse Therapie – bei fortgeschrittenem Befund; heute vor allem Immuntherapien in Kombination, nach Leitlinie im interdisziplinären Konzept festgelegt
Die Auswahl trifft nicht ein einzelner Arzt, sondern das Tumorboard – siehe nächster Abschnitt.

Warum jeder Fall ins Tumorboard gehört

Die S3-Leitlinie ist an dieser Stelle eindeutig: Patientinnen und Patienten mit einem HCC sollen vor einer Behandlung und bei jeder Änderung der Therapiestrategie in einer interdisziplinären Tumorkonferenz vorgestellt werden.

Der Grund liegt in der Vielfalt der Verfahren. Chirurgie, interventionelle Radiologie, Onkologie und Hepatologie beurteilen denselben Befund aus unterschiedlicher Perspektive – und erst zusammen ergibt sich ein Bild davon, welches Verfahren für diesen Menschen mit dieser Leberfunktion das richtige ist.

Am CGB wird jeder Fall im interdisziplinären Tumorboard des Onkologischen Zentrums Bethanien besprochen, gemeinsam mit Chirurgie und Radiologie. Diese Struktur kennen Sie möglicherweise bereits von unserem Darmkrebszentrum – beim Leberkrebs verfolgen wir dasselbe Prinzip.

Prof. Dr. med. Fabian Finkelmeier – Gastroenterologe und Hepatologe, CGB Frankfurt
Prof. Dr. med. Fabian Finkelmeier
Facharzt für Innere Medizin und Gastroenterologie

Die Habilitation von Prof. Finkelmeier befasste sich mit diagnostischen und prognostischen Markern des hepatozellulären Karzinoms; für seine Arbeiten zum HCC erhielt er 2020 den Forschungspreis der DGVS. In PubMed sind über 130 Publikationen gelistet, davon mehr als 45 zu Leber- und Gallenwegstumoren. In der Behandlung von Leberkrebs arbeitet er eng mit Prof. Dr. med. Oliver Waidmann vom Centrum für Hämatologie und Onkologie Bethanien zusammen – eine Zusammenarbeit aus gemeinsamen Jahren an der Universitätsmedizin Frankfurt, aus der über 30 gemeinsame wissenschaftliche Arbeiten hervorgegangen sind. Zum Profil

Häufige Fragen zu Leberkrebs

Ist Leberkrebs heilbar?
In frühen Stadien ja. Wird ein hepatozelluläres Karzinom klein und bei erhaltener Leberfunktion entdeckt, kommen operative Entfernung, Verödung oder eine Lebertransplantation in Frage – Verfahren mit heilendem Anspruch. Entscheidend ist der Zeitpunkt der Entdeckung, und genau deshalb ist die halbjährliche Vorsorge bei Zirrhose so wichtig.
Wie oft muss ich zur Vorsorge, wenn ich eine Leberzirrhose habe?
Alle sechs Monate. Die S3-Leitlinie empfiehlt mit dem höchsten Empfehlungsgrad eine Ultraschalluntersuchung der Leber in diesem Abstand. Ergänzend kann der Blutwert AFP bestimmt werden.
Merkt man Leberkrebs?
Im frühen Stadium in aller Regel nicht. Beschwerden wie Druck im rechten Oberbauch, Gewichtsverlust oder eine Gelbfärbung der Haut treten meist erst spät auf. Deshalb wird ein HCC fast nie über Symptome, sondern über die geplante Vorsorgeuntersuchung entdeckt.
Ist jeder Tumor in der Leber ein Leberkrebs?
Nein. Die meisten bösartigen Herde in der Leber sind Metastasen anderer Tumoren, am häufigsten des Darms. Auch gutartige Veränderungen wie Hämangiome sind häufig. Die Unterscheidung erfolgt über die Bildgebung, bei Unklarheit über eine Gewebeprobe.
Was ist der Unterschied zwischen HCC und CCC?
Das hepatozelluläre Karzinom (HCC) geht von den Leberzellen aus, das cholangiozelluläre Karzinom (CCC) von den Gallengängen. Beide unterscheiden sich in Diagnostik und Behandlung deutlich, weshalb die genaue Einordnung am Anfang steht.
Brauche ich für die Diagnose immer eine Gewebeprobe?
Nicht zwingend. In einer zirrhotischen Leber kann ein HCC häufig allein anhand des typischen Kontrastmittelverhaltens in MRT oder Kontrastmittel-Ultraschall diagnostiziert werden. Eine Biopsie ist vor allem bei unklaren Befunden oder in einer nicht-zirrhotischen Leber erforderlich.
Quelle: Leitlinienprogramm Onkologie — S3-Leitlinie Diagnostik und Therapie des Hepatozellulären Karzinoms und biliärer Karzinome, Langversion 5.2, AWMF-Registernummer 032-053OL.
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