Fettleber (MASLD): Warum das Thema so wichtig wird – und was sich 2025 geändert hat
Während virale Hepatitis weltweit zurückgedrängt wird, wächst ein anderes Leberproblem rasant: die Fettleber. Rund 30 Prozent der Erwachsenen weltweit sind betroffen – mit steigender Tendenz, eng gekoppelt an Übergewicht und Diabetes. 2023 hat die Erkrankung sogar einen neuen Namen bekommen: MASLD statt NAFLD. Und 2025 wurden erstmals überhaupt Medikamente speziell für die entzündliche Form zugelassen. Was das bedeutet – und was jeder selbst tun kann.
Neuer Name, klarerer Blick: von NAFLD zu MASLD
2023 haben die großen Fachgesellschaften für Lebererkrankungen (AASLD, EASL und ALEH) die Nomenklatur grundlegend überarbeitet. Aus der „nicht-alkoholischen Fettlebererkrankung" (NAFLD) wurde die „metabolisch assoziierte steatotische Lebererkrankung" (MASLD), aus der Leberentzündung NASH wurde MASH. Der Grund war nicht nur sprachliche Kosmetik: Der alte Name definierte die Erkrankung über das, was sie nicht ist (nicht alkoholbedingt) und wurde von Patientinnen und Patienten teils als stigmatisierend empfunden. Der neue Name benennt stattdessen direkt die zugrundeliegenden Stoffwechselfaktoren.
Neu eingeführt wurde außerdem die Kategorie MetALD für Menschen mit MASLD, die zusätzlich einen höheren, aber noch nicht klassisch „alkoholkrank" einzustufenden Alkoholkonsum haben – ein Hinweis darauf, dass Lebererkrankungen selten nur eine einzige Ursache haben.
Wie häufig ist die Fettleber wirklich?
Die weltweite Häufigkeit der MASLD bei Erwachsenen wird inzwischen auf rund 30 Prozent geschätzt – vor drei Jahrzehnten lag sie noch deutlich niedriger. Haupttreiber sind Übergewicht, Typ-2-Diabetes und das metabolische Syndrom. Damit ist die Fettleber heute in westlichen Ländern die häufigste chronische Lebererkrankung überhaupt – noch vor viraler Hepatitis.
Nicht jede Fettleber schreitet fort: Bei einem Teil der Betroffenen bleibt es bei einer reinen Verfettung ohne Entzündung. Entwickelt sich jedoch eine Leberentzündung (MASH), steigt das Risiko für Fibrose, Zirrhose – und bemerkenswerterweise kann ein hepatozelluläres Karzinom bei MASLD in einem Teil der Fälle auch ohne vorbestehende Zirrhose auftreten, anders als bei den meisten anderen Leberkrankheiten.
Was 2025 neu ist: erstmals zugelassene Medikamente
Bis vor kurzem gab es für die entzündliche Fettleber (MASH) keine spezifisch zugelassene medikamentöse Therapie – die Behandlung bestand ausschließlich aus Gewichtsreduktion und Lebensstiländerung. Das hat sich 2025 geändert:
- Die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) erteilte im August 2025 die bedingte Zulassung für einen oralen Wirkstoff, der gezielt an einem Schilddrüsenhormonrezeptor der Leber ansetzt – das erste in der EU zugelassene Medikament speziell für MASH mit mittelschwerer bis fortgeschrittener Fibrose, in Kombination mit Diät und Bewegung.
- Ebenfalls 2025 wurde ein aus der Diabetes- und Gewichtsreduktionstherapie bereits bekannter GLP-1-Rezeptoragonist auch für MASH mit Fibrose zugelassen. In der zugrundeliegenden Studie besserte sich die Leberentzündung bei rund 63 Prozent der Behandelten gegenüber rund 34 Prozent unter Placebo – ein deutlicher Unterschied, wobei sich die Fibrose selbst in dieser Untersuchung nicht signifikant stärker zurückbildete als unter Placebo.
Was Sie selbst tun können
Auch mit den neuen Medikamenten bleibt der wirksamste Hebel derselbe wie zuvor: eine Reduktion des Körpergewichts um etwa 7 bis 10 Prozent kann die Leberentzündung nachweislich zurückbilden, oft schon deutlich früher messbar. Regelmäßige Bewegung wirkt dabei zusätzlich unabhängig vom Gewichtsverlust auf den Leberfettgehalt.
Wann sollte man die Leber untersuchen lassen?
Wer Übergewicht, Typ-2-Diabetes oder ein metabolisches Syndrom hat, sollte die Leber im Blick behalten lassen – meist reicht dafür ein Ultraschall und eine Leberelastographie zur Einschätzung des Vernarbungsgrads. Zeigt sich bereits eine Leberzirrhose, gilt unabhängig von der Ursache dieselbe Empfehlung wie bei viraler Hepatitis: eine halbjährliche Vorsorgeuntersuchung auf Leberkrebs. Mehr dazu auf unserer Seite zu Leberkrebs (HCC).
Prof. Finkelmeier befasst sich seit vielen Jahren wissenschaftlich und klinisch mit metabolischen und viralen Lebererkrankungen sowie deren Folgeerkrankungen. In PubMed sind über 130 wissenschaftliche Publikationen gelistet. Zum Profil
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