Robotische Chirurgie in Frankfurt: Da Vinci jetzt auch am Bethanien Krankenhaus

Symbolbild (KI-generiert): Roboterassistierte Operation mit dem Da-Vinci-System – Chirurg an der Konsole, OP-Team am Patienten

Seit Oktober 2026 ist am AGAPLESION BETHANIEN KRANKENHAUS in Frankfurt ein Da-Vinci-Operationssystem im Einsatz, auch für Operationen am Enddarm. Die ersten Eingriffe sind erfolgt. Damit bietet das Zentrum für roboterassistierte Chirurgie der AGAPLESION FRANKFURTER DIAKONIE KLINIKEN, das am Markus Krankenhaus seit 2019 besteht und nach Angaben des Trägers über 1.000 roboterassistierte Eingriffe pro Jahr durchführt, diese Technik an beiden Frankfurter Standorten an. Robotische Chirurgie bedeutet nicht, dass ein Roboter operiert: Die Chirurgin oder der Chirurg steuert jeden Schritt selbst – mit dreidimensionaler, vergrößerter Sicht und Instrumenten, die beweglicher sind als die menschliche Hand. Am besten belegt ist der Nutzen bei Operationen im engen Becken, etwa beim Enddarmkrebs. Für unsere Patientinnen und Patienten im Darmkrebszentrum am Bethanien Krankenhaus ist diese Technik damit in dem Haus angekommen, in dem auch Diagnostik, Tumorboard und Nachsorge stattfinden.

  • 10/2026 Da-Vinci-System am Bethanien Krankenhaus im Einsatz
  • seit 2019 roboterassistierte Chirurgie am Markus Krankenhaus
  • über 1.000 roboterassistierte Eingriffe pro Jahr im Zentrum
  • 5 Fächer Urologie, Viszeral-, Thorax-, Kopf-Hals-Chirurgie, Gynäkologie

Was ist robotische Chirurgie?

Die roboterassistierte Chirurgie ist eine Weiterentwicklung der minimalinvasiven „Schlüsselloch“-Operation (Laparoskopie). Wie dort werden Kamera und Instrumente über wenige, etwa einen Zentimeter kleine Schnitte in den Körper eingeführt. Der Unterschied liegt in der Steuerung: Die Instrumente sitzen an den Armen eines Operationssystems – umgangssprachlich OP-Roboter –, das die Chirurgin oder der Chirurg von einer Konsole im Operationssaal aus führt. Jede Bewegung der Hände wird in Echtzeit, zitterfrei und verkleinert auf die Instrumentenspitzen übertragen.

Das System führt keine eigenständigen Bewegungen aus und trifft keine Entscheidungen. Fachlich korrekt ist deshalb der Begriff roboterassistierte Chirurgie. Das weltweit am weitesten verbreitete System ist das Da-Vinci-System; nahezu alle großen Studien zur robotischen Chirurgie wurden mit ihm durchgeführt.

MerkmalOffene OperationLaparoskopieRoboterassistiert (Da Vinci)
ZugangBauchschnittmehrere kleine Schnittemehrere kleine Schnitte
Sichtdirekt, ohne Vergrößerung2D- oder 3D-Kamera, vom Assistenten geführt3D-HD mit bis zu 10-facher Vergrößerung, vom Operateur selbst geführt
InstrumenteHandstarre Instrumente, eingeschränkte Winkelabwinkelbare Instrumentenspitzen mit 7 Freiheitsgraden, Zitterfilter
StärkeÜbersicht, Tastsinnschnelle Erholung, etabliertPräzision auf engem Raum, z. B. im kleinen Becken
Grenzengrößere Wunde, längere Erholungschwierig im engen Beckenhöhere Kosten, längere Rüstzeit, Ergebnis hängt von der Erfahrung des Teams ab

Das Da-Vinci-System am Bethanien Krankenhaus Frankfurt

Das AGAPLESION BETHANIEN KRANKENHAUS gehört zu den AGAPLESION FRANKFURTER DIAKONIE KLINIKEN. Deren interdisziplinäres Zentrum für roboterassistierte Chirurgie arbeitet seit Anfang 2019 mit dem Da-Vinci-System, seit 2022 mit zwei und seit Oktober 2026 mit drei Systemen, führt über 1.000 roboterassistierte Eingriffe pro Jahr durch und bezeichnet sich als größtes interdisziplinäres Zentrum dieser Art in Hessen1. Geleitet wird es von Prof. Dr. Georg Bartsch, Chefarzt der Klinik für Urologie. Beteiligt sind außerdem die Allgemein- und Viszeralchirurgie unter Prof. Dr. Christoph Heidenhain (Bethanien Krankenhaus, Markus Krankenhaus), die Kopf-Hals-Chirurgie unter Priv.-Doz. Dr. Balazs Lörincz, die Thoraxchirurgie unter Stephan Trainer sowie die Gynäkologie.

Seit Oktober 2026 ist die robotische Chirurgie auch am Standort Bethanien Krankenhaus im Frankfurter Nordend im Einsatz; die Klinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie ist dafür an beiden Häusern vertreten, und auch Operationen am Enddarm werden am Bethanien Krankenhaus roboterassistiert durchgeführt. Für die Viszeralchirurgie nennt das Zentrum als roboterassistierte Eingriffe unter anderem Operationen bei Darm- und Enddarmkrebs, bei chronisch entzündlichen Darmerkrankungen, an Speiseröhre und Magen, bei Refluxkrankheit sowie an Leber und Bauchspeicheldrüse.

Warum das für unsere Patienten wichtig ist: Das Centrum Gastroenterologie Bethanien (CGB) ist Teil des seit 2010 durchgehend von der Deutschen Krebsgesellschaft zertifizierten Darmkrebszentrums am Bethanien Krankenhaus. Darmspiegelung, Tumorboard, Operation und Nachsorge liegen damit an einem Standort – jetzt einschließlich der roboterassistierten Operationstechnik.

Seit Oktober 2026 arbeiten beide Häuser außerdem im AGAPLESION Viszeralmedizinischen Zentrum Frankfurt zusammen. Gastroenterologie und Hepatologie, Allgemein- und Viszeralchirurgie (Bethanien Krankenhaus, Markus Krankenhaus), Onkologie, Strahlentherapie, Radiologie und Palliativmedizin (Bethanien Krankenhaus, Markus Krankenhaus) am Markus Krankenhaus und am Bethanien Krankenhaus sowie die Praxen am Bethanien Krankenhaus planen die Behandlung gemeinsam – im Tumorboard und bei chronisch entzündlichen Darmerkrankungen im CED-Board der Medizinischen Klinik I. Die roboterassistierte Chirurgie steht damit an beiden Standorten zur Verfügung: am Markus Krankenhaus seit 2019, am Bethanien Krankenhaus seit Oktober 2026.

Alle zertifizierten Krebszentren mit ihren Partnern verzeichnet die Deutsche Krebsgesellschaft in OncoMap.

Was ist wissenschaftlich belegt?

Die Datenlage ist je nach Eingriff unterschiedlich. Am besten untersucht ist in der Bauchchirurgie die Darmkrebs-Operation am Enddarm, weil dort im engen knöchernen Becken auf wenigen Millimetern zwischen Tumor, Nerven und Schließmuskel präpariert wird.

Die erste große internationale Vergleichsstudie (ROLARR) fand 2017 zwischen roboterassistierter und herkömmlicher Schlüsselloch-Operation keinen sicheren Unterschied: Die Sicherheit war gleichwertig, eine Überlegenheit nicht belegt2. Die deutlich größere REAL-Studie zeigte dagegen beim mittleren und tiefen Rektumkarzinom mit dem Roboter seltener Tumorreste am Schnittrand, weniger Komplikationen und häufiger einen erhaltenen Schließmuskel3, nach drei Jahren außerdem weniger örtliche Rückfälle; beim Gesamtüberleben gab es keinen Unterschied4.

Die Ergebnisse der REAL-Studie stammen aus großen chinesischen Zentren mit sehr erfahrenen Operateuren; eine Bestätigung in europäischen Kliniken steht aus. Fachlich lässt sich daraus ableiten: In erfahrenen Händen ist die roboterassistierte Operation beim tief sitzenden Enddarmkrebs der Laparoskopie mindestens gleichwertig und in wichtigen Qualitätsmerkmalen wahrscheinlich überlegen. Entscheidend bleibt die Erfahrung des Operationsteams – nicht das Gerät allein5. Die Einzelheiten finden Sie im Beitrag Roboterassistierte Operation beim Rektumkarzinom.

Für wen kommt eine roboterassistierte Operation infrage?

Grundsätzlich für die meisten Patientinnen und Patienten, bei denen auch eine laparoskopische Operation möglich wäre. Auswertungen zeigen den größten Vorteil dort, wo die Operation technisch am schwierigsten ist:

  • tief sitzende Tumoren des Enddarms
  • enges Becken, vor allem bei Männern
  • ausgeprägtes Übergewicht
  • Operation nach vorausgegangener Bestrahlung

Weniger geeignet ist das Verfahren bei ausgedehnten Verwachsungen nach Voroperationen, bei sehr großen, in Nachbarorgane eingewachsenen Tumoren und in Notfallsituationen. Welcher Zugang sinnvoll ist, entscheidet die Chirurgin oder der Chirurg nach der Empfehlung des Tumorboards gemeinsam mit Ihnen.

Der Weg von der Diagnose zur Operation am Bethanien Krankenhaus

  • 1. Diagnose: Darmspiegelung mit Gewebeprobe am CGB.
  • 2. Ausbreitungsdiagnostik: Computertomographie, beim Enddarmkrebs zusätzlich Becken-MRT6.
  • 3. Tumorboard: Gastroenterologie, Chirurgie, Onkologie, Strahlentherapie, Radiologie und Pathologie legen gemeinsam die Behandlung fest.
  • 4. Gegebenenfalls Vorbehandlung: Bestrahlung und/oder Chemotherapie vor der Operation.
  • 5. Operation: offen, laparoskopisch oder roboterassistiert – je nach Befund.
  • 6. Nachsorge: strukturierte Kontrollen einschließlich Darmspiegelung am CGB.

Häufige Fragen zur robotischen Chirurgie am Bethanien Krankenhaus

Operiert beim Da-Vinci-System ein Roboter selbstständig?

Nein. Das Da-Vinci-System führt keine eigenständigen Bewegungen aus. Die Chirurgin oder der Chirurg steuert von einer Konsole im Operationssaal jedes Instrument selbst; das System überträgt die Handbewegungen zitterfrei und verkleinert auf die Instrumente im Körper. Fachlich spricht man deshalb von roboterassistierter Chirurgie.

Seit wann gibt es robotische Chirurgie am Bethanien Krankenhaus Frankfurt?

Seit Oktober 2026 ist am AGAPLESION BETHANIEN KRANKENHAUS in Frankfurt ein Da-Vinci-Operationssystem im Einsatz, auch für Operationen am Enddarm. Es gehört zum Zentrum für roboterassistierte Chirurgie der AGAPLESION FRANKFURTER DIAKONIE KLINIKEN, das am Markus Krankenhaus seit 2019 mit dem Da-Vinci-System arbeitet.

Welche Operationen werden roboterassistiert durchgeführt?

Das Zentrum für roboterassistierte Chirurgie nennt Eingriffe aus Urologie, Allgemein- und Viszeralchirurgie, Thoraxchirurgie, Kopf-Hals-Chirurgie und Gynäkologie. In der Viszeralchirurgie gehören dazu Operationen bei Darm- und Enddarmkrebs, bei chronisch entzündlichen Darmerkrankungen sowie an Speiseröhre, Magen, Leber und Bauchspeicheldrüse. Welche Eingriffe am Standort Bethanien Krankenhaus angeboten werden, erfahren Sie in der chirurgischen Sprechstunde.

Ist eine Roboter-Operation besser als eine Schlüsselloch-Operation?

Das hängt vom Eingriff ab. Beim tief sitzenden Enddarmkrebs zeigte die große randomisierte REAL-Studie nach drei Jahren weniger örtliche Rückfälle und weniger Komplikationen als die herkömmliche Laparoskopie. Die ältere ROLARR-Studie fand dagegen keinen signifikanten Unterschied. Bei vielen anderen Eingriffen gelten beide Verfahren als gleichwertig.

Ist die roboterassistierte Operation sicher?

Ja. In den großen Vergleichsstudien waren die Komplikationsraten gleich hoch oder niedriger als bei der laparoskopischen Operation. Wie bei jedem Verfahren hängt die Sicherheit wesentlich von der Erfahrung des Operationsteams ab. Sollte es nötig sein, kann während des Eingriffs jederzeit auf eine offene Operation gewechselt werden.

Wer trägt die Kosten einer Da-Vinci-Operation?

Die roboterassistierte Operation ist eine Krankenhausleistung. Gesetzliche und private Krankenversicherungen übernehmen die Kosten der medizinisch notwendigen Operation; eine gesonderte Zuzahlung für den Einsatz des Da-Vinci-Systems fällt für gesetzlich Versicherte in der Regel nicht an. Einzelheiten klärt das Krankenhaus vor der Aufnahme.

Wie lange dauert der Krankenhausaufenthalt nach einer roboterassistierten Darmoperation?

Das hängt vom Eingriff und vom Heilungsverlauf ab. Nach minimalinvasiven Darmoperationen beträgt der Aufenthalt meist etwa eine Woche. In der REAL-Studie war der Aufenthalt nach roboterassistierter Operation etwas kürzer als nach Laparoskopie.

Für wen ist die robotische Operation besonders geeignet?

Den größten Vorteil zeigen Studien bei technisch schwierigen Operationen: bei tief sitzendem Enddarmkrebs, bei engem Becken – vor allem bei Männern –, bei starkem Übergewicht und nach einer Bestrahlung. In diesen Situationen muss mit dem Roboter seltener auf eine offene Operation gewechselt werden.

Wann ist eine Roboter-Operation nicht sinnvoll?

Bei ausgedehnten Verwachsungen nach früheren Bauchoperationen, bei sehr großen Tumoren, die in Nachbarorgane eingewachsen sind, und in Notfällen ist häufig die offene Operation der bessere Weg. Bei vielen unkomplizierten Eingriffen bietet der Roboter gegenüber der Laparoskopie keinen belegten Zusatznutzen.

Welche Rolle hat das CGB bei einer Darmkrebsoperation?

Das Centrum Gastroenterologie Bethanien stellt die Diagnose durch Darmspiegelung und Gewebeprobe, übernimmt gemeinsam mit den Partnern die Ausbreitungsdiagnostik, stellt jeden Fall im interdisziplinären Tumorboard des Darmkrebszentrums am Bethanien Krankenhaus vor und führt nach der Operation die endoskopische Nachsorge durch. Die Operation selbst erfolgt durch die chirurgischen Partner des Zentrums.

Wie bekomme ich einen Termin zur Abklärung?

Für die Abklärung von Darmbeschwerden, eine Darmspiegelung oder eine Zweitmeinung bei Darmkrebs können Sie am CGB Frankfurt online über Doctolib oder telefonisch einen Termin vereinbaren. Bei bereits gesicherter Krebsdiagnose erhalten Sie einen kurzfristigen Termin.

Abklärung und Zweitmeinung am CGB Frankfurt

Wenn bei Ihnen ein Darm- oder Enddarmtumor festgestellt wurde oder Beschwerden abgeklärt werden sollen, koordinieren wir am CGB Diagnostik, Tumorboard und die Vorstellung bei den chirurgischen Partnern im Bethanien Krankenhaus. Bei gesicherter Krebsdiagnose vergeben wir kurzfristige Termine.

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Medizinischer Hinweis: Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Untersuchung oder Beratung. Welche Behandlung im Einzelfall richtig ist, hängt vom individuellen Befund ab und wird im persönlichen Gespräch sowie im interdisziplinären Tumorboard festgelegt.

Quellen

  1. AGAPLESION FRANKFURTER DIAKONIE KLINIKEN, Interdisziplinäres Zentrum für roboterassistierte Chirurgie, abgerufen 9/2026
  2. Jayne D et al. (ROLARR), Effect of Robotic-Assisted vs Conventional Laparoscopic Surgery on Risk of Conversion to Open Laparotomy, JAMA 2017;318:1569–1580. Randomisiert, 471 Patienten, 29 Zentren in 10 Ländern: Umstieg auf offene Operation 8,1 vs. 12,2 % (nicht signifikant)
  3. Feng Q et al. (REAL, Kurzzeitergebnisse), Robotic versus laparoscopic surgery for middle and low rectal cancer, Lancet Gastroenterol Hepatol 2022;7:991–1004. Befallener Resektionsrand 4,0 vs. 7,2 %, Komplikationen ab Grad II binnen 30 Tagen 16,2 vs. 23,1 %, Entfernung des Schließmuskels 16,9 vs. 22,7 %, Umstieg auf offene Operation 1,7 vs. 3,9 %, Krankenhausaufenthalt im Median 7 vs. 8 Tage
  4. Feng Q et al. (REAL), Robotic vs Laparoscopic Surgery for Middle and Low Rectal Cancer, JAMA 2025. Randomisiert, 1.171 Patienten, 11 chinesische Zentren: Lokalrezidive nach 3 Jahren 1,6 % (Roboter) vs. 4,0 % (Laparoskopie), krankheitsfreies Überleben 87,2 vs. 83,4 %, Gesamtüberleben 94,7 vs. 93,0 % (nicht signifikant)
  5. Übersichtsarbeit, Robotic surgery for rectal cancer in 2026: a hierarchical appraisal of the evidence, J Robot Surg 2026
  6. Leitlinienprogramm Onkologie (DGVS, DKG, AWMF), S3-Leitlinie Kolorektales Karzinom, Version 3.0, AWMF 021-007OL, 2025

Zuletzt fachlich geprüft: 3.10.26 · Prof. Dr. Dr. med. Fabian Finkelmeier