Welthepatitistag 2026: Was sich bei Hepatitis B, C und der Fettleber wirklich tut

Jedes Jahr am 28. Juli ruft die Weltgesundheitsorganisation (WHO) den Welthepatitistag aus. Das Motto 2026 lautet „Hepatitis: Let's Break It Down" – ein Aufruf, die finanziellen, sozialen und strukturellen Hürden abzubauen, die Menschen vom Zugang zu Diagnose und Behandlung abhalten. Der Anlass ist ernst: Virushepatitis fordert weltweit noch immer 1,3 Millionen Todesfälle pro Jahr – mehr als jede andere Infektionskrankheit außer Tuberkulose. Was das konkret bedeutet, und was sich bei Hepatitis C, Hepatitis B und der Fettleber (MASLD) in den letzten Jahren getan hat, lesen Sie hier.

Warum gibt es den Welthepatitistag?

Der 28. Juli ist kein zufälliges Datum: Es ist der Geburtstag von Baruch Blumberg, der 1967 das Hepatitis-B-Virus entdeckte, zwei Jahre später den ersten Hepatitis-B-Impfstoff entwickelte und dafür 1976 den Nobelpreis für Physiologie oder Medizin erhielt. Ursprünglich 2008 auf den 19. Mai gelegt, verlegte die Weltgesundheitsversammlung den Tag 2010 auf den 28. Juli, um sein Lebenswerk zu würdigen.

Der Bedarf an einem solchen Aktionstag ist ungebrochen: Laut dem WHO-Bericht „Global Hepatitis Report 2024" leben weltweit rund 254 Millionen Menschen mit chronischer Hepatitis B und 50 Millionen mit chronischer Hepatitis C. Die Sterblichkeit steigt sogar – von 1,1 Millionen Todesfällen im Jahr 2019 auf 1,3 Millionen im Jahr 2022, umgerechnet fast 3.500 Menschen pro Tag.

254 Mio.
Menschen weltweit mit chronischer Hepatitis B
50 Mio.
Menschen weltweit mit chronischer Hepatitis C
1,3 Mio.
Todesfälle durch Virushepatitis pro Jahr (2022)
83 %
dieser Todesfälle gehen auf Hepatitis B zurück, 17 % auf Hepatitis C

Hepatitis C: die stille Erfolgsgeschichte

Bei kaum einer chronischen Infektionskrankheit hat sich die Prognose so radikal verändert wie bei Hepatitis C. Möglich wurde das erst durch die Entdeckung des Hepatitis-C-Virus selbst – wofür Harvey J. Alter, Michael Houghton und Charles M. Rice 2020 den Nobelpreis für Physiologie oder Medizin erhielten. Erst diese Entdeckung machte zuverlässige Bluttests und in der Folge die Entwicklung moderner Medikamente möglich.

Das Ergebnis: Mit direkt wirkenden antiviralen Medikamenten (DAA) wird Hepatitis C heute bei über 95 Prozent der Behandelten innerhalb von acht bis zwölf Wochen dauerhaft geheilt – nebenwirkungsarm, in Tablettenform. Das Problem ist heute seltener die Behandelbarkeit als das Wissen um die eigene Infektion, denn Hepatitis C verläuft über Jahre unbemerkt.

Konkret für Sie: Seit Oktober 2021 haben alle gesetzlich Versicherten ab 35 Jahren einen einmaligen Anspruch auf ein Hepatitis-B- und -C-Screening im Rahmen des Gesundheits-Check-ups – unabhängig von Risikofaktoren. Mehr dazu und zur Behandlung auf unserer Seite zu Hepatitis C.

Hepatitis B: weiterhin komplex – aber viel erreicht

Anders als Hepatitis C lässt sich eine chronische Hepatitis B in aller Regel nicht vollständig heilen, sondern langfristig medikamentös unterdrücken. Unbehandelt kann die Infektion über Jahrzehnte zu Leberzirrhose und zum hepatozellulären Karzinom (HCC) führen – weltweit ist Hepatitis B die häufigste Ursache für virusbedingten Leberkrebs.

Der entscheidende Fortschritt liegt in der Prävention: Seit den 1980er-Jahren steht ein hochwirksamer Impfstoff zur Verfügung, der von der Ständigen Impfkommission (STIKO) für Säuglinge im Rahmen der Grundimmunisierung empfohlen wird. Wo Impfprogramme konsequent umgesetzt wurden, ist die Zahl der Neuinfektionen bei Kindern deutlich zurückgegangen. Für bereits chronisch Infizierte gilt: Wer regelmäßig in Behandlung ist, kann das Fortschreiten zu Zirrhose und Leberkrebs heute meist wirksam verlangsamen oder verhindern.

Ist bereits eine Leberzirrhose entstanden – unabhängig von der Ursache – empfiehlt die aktuelle Leitlinie eine halbjährliche Ultraschall-Vorsorge. Details dazu auf unserer Seite zu Leberkrebs (HCC).

Die neue Herausforderung: die Fettleber (MASLD)

Während virale Hepatitis global zurückgedrängt werden soll, wächst ein anderes Leberproblem rasant: die metabolisch assoziierte steatotische Lebererkrankung (MASLD, früher NAFLD) – die Fettleber. Studien schätzen die weltweite Häufigkeit bei Erwachsenen inzwischen auf rund 30 Prozent, mit weiter steigender Tendenz, eng gekoppelt an Übergewicht, Diabetes und Bewegungsmangel.

Auch die Fettleber ist nicht harmlos: Bei einem Teil der Betroffenen entwickelt sich daraus eine Leberentzündung (MASH) und im Verlauf eine Fibrose oder Zirrhose – mit denselben Folgerisiken wie bei viraler Hepatitis, einschließlich eines erhöhten Risikos für Leberkrebs. Anders als bei Hepatitis B oder C gibt es hier keine Impfung und kein einzelnes Medikament – der wirksamste Hebel bleibt die Reduktion von Körpergewicht und eine Ernährungsumstellung.

Unsere Ernährungsberatung unterstützt gezielt bei der Risikoreduktion – gerade weil sich eine beginnende Fettleber im Gegensatz zu Virushepatitis durch den eigenen Lebensstil aktiv beeinflussen lässt.
Prof. Dr. med. Fabian Finkelmeier – Gastroenterologe und Hepatologe, CGB Frankfurt
Prof. Dr. med. Fabian Finkelmeier
Facharzt für Innere Medizin und Gastroenterologie

Prof. Finkelmeier befasst sich seit vielen Jahren wissenschaftlich und klinisch mit viralen und metabolischen Lebererkrankungen sowie deren Folgeerkrankungen. In PubMed sind über 130 wissenschaftliche Publikationen gelistet. Zum Profil

Quellen: World Health Organization, Global Hepatitis Report 2024. The Nobel Assembly at Karolinska Institutet, Pressemitteilung Nobelpreis für Physiologie oder Medizin 2020. Screening-Anspruch gemäß Beschluss des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA), gültig seit 01.10.2021.
Zuletzt fachlich geprüft: 25.07.26 · Prof. Dr. med. Fabian Finkelmeier